Mehr über die Wasserwelt Brandenburgs

Mathias Gläser

Wussten Sie schon?

Brandenburg ist eines der gewässerreichsten Bundesländer Deutschlands und überzeugt mit über 3.000 Seen und hinzukommenden 34.600 Kilometern Fließgewässer. Zu gewässerreichen Naturschutzgebieten gehören beispielsweise das Naturschutzgebiet Stechlinsee, das Naturschutzgebiet Gülper See, das Naturschutzgebiet Unteres Odertal, das Naturschutzgebiet Innerer Oberspreewald sowie das Naturschutzgebiet Nuthe-Nieblitz-Niederung oder aber auch das Naturschutzgebiet Mittlere Havel. Doch die beeindruckende Gewässerfülle ist nur die eine Seite der brandenburgischen Wasserwelt. Denn paradoxerweise stellt Wasserknappheit gerade das größte Klimaproblem Brandenburgs dar. Es gehört nämlich mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag unter 600 Millimetern zu den niederschlagsärmsten Bundesländern in Deutschland. Ursächlich sind einerseits die klimatischen Veränderungen und andererseits der sensible Wasserhaushalt Brandenburgs.

Auf der einen Seite steht die zunehmende Trockenheit in Brandenburg, die durch durch die geringe Niederschlagsmenge, die langanhaltenden Wärmeperioden sowie der Verdunstungsfreude von unseren Seen ausgelöst wird. Mittlerweile ist der regionale Grundwasserspiegel bereits auf bis zu 1,2 Meter zurückgegangen und viele Landschaften sind stark strapaziert. Hinzukommend entstehen  hierdurch Ertragseinbußen in Forst- und Landwirtschaft und eine dauerhafte Schädigung von Gewässern ist nicht mehr auszuschließen.

Auf der anderen Seite stellen Starkniederschläge und Hochwasser ein Problem dar, weil es aufgrund der Beschaffenheit der brandenburgischen Umwelt nur zäh abfließen kann: Es fehlt an Strukturvielfalt und Rückhalteflächen in und an den Gewässern, die Speicherfähigkeit der Böden ist gering und hinzu kommt ein gefällearmes Relief, so dass die große Menge an Niederschlag keinen Nutzen hat, solange er sich in Form von Starkregen ergießt.

Hieraus ergeben sich vielfältige Herausforderungen für den Umgang mit Wasser in Brandenburg. Bezüglich der Trockenheitsperioden gefährden die niedrigen Wasserstände die Existenz von Flora und Fauna, weshalb es einer durchdachten Wassermengenbewirtschaftung bedarf. Um Schäden durch Hochwasser und Überschwemmung zu verhindern werden unter anderem Dämme saniert, Retentionsräume durch eine Deichrückverlegung und gesteuerte Flutpolder erweitert als auch Hochwasservorhersagesysteme verbessert. Ferner müssen anthropogene Negativ-Faktoren wie die landwirtschaftliche Schadstoffbelastung, die voranschreitende Bodenversiegelung als auch der Verkehr angegangen werden, um angemessen auf das regionale Klimaproblem der Wasserknappheit zu reagieren.

Mithin wird Eines deutlich: Die natürliche Ressource Wasser, von der es stets genau so viel gibt und geben wird, wie bereits bei der Geburt unseres Planeten, kann nicht desto trotz zu einer knappen Ressource werden. Und das nicht einmal ausschließlich in ariden Klimaregionen wie Wüstengebieten, sondern selbst in Brandenburg, wo aktuell noch humides Klima herrscht. Deshalb scheint die Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser von großer Bedeutung und zunehmender Relevanz zu sein. Denn, wie bereits Reimar Gilsenbach sein Werk „Schönheit der Flüsse und Seen“ beendigte: „Wer die Schönheit und Seen zerstört, begeht ein Verbrechen an der Zukunft, wer sie verteidigt und mehrt, vollbringt eine lange fortwirkende Tat.“ (S. 251)

Noch ein paar Fakten am Rande: 

  • Niederschlagsentwicklungen in Brandenburg

Es wird eine stetige Zunahme der Jahresniederschläge seit 1881 um +3% beobachtet. Starkregenereignisse prägen sich weiterhin aus. Hinzu kommt eine hohe Niederschlagsvariabilität in Brandenburg: Jahre der Trockenheit können direkt neben den niederschlagsreichsten Jahren liegen (z.B. 2017 und 2018). Der Grundwasserspiegel ist durch die anhaltende Trockenheit der vergangenen Jahre herabgesetzt. Vielerorts ist starkes Niedrigwasser zu verzeichnen. Die Zukunftsprognose des Deutschen Wetterdienstes lautet: Der Jahresniederschlag wird um +6 % zunehmen. Dabei wird es eine Niederschlagszunahme im Frühjahr und eine Niederschlagsabnahme im Sommer geben.

  • Wasserverbrauch der Brandenburger*innen

Durchschnittlich 111,4 Liter verbrauchen Brandenburger*innen aktuell pro Person am Tag. Damit gehört Brandenburg zu den wassersparenden Bundesländern Deutschlands und liegt unter dem Landesdurchschnitt von 127 Litern. 

  • Wasserschutzgebiete

Brandenburg hat 357 Wasserschutzgebiete, die eine Fläche von 1.321km2 umfassen. Das entspricht ca. 4,5 % der Landesfläche.

  • Wasserqualität in Brandenburg

Das Trinkwasser in Brandenburg weist eine gute bis sehr gute Qualität auf. Zu den saubersten Seen Deutschlands gehört der brandenburgische Stechlinsee. Auch die Badestellen Brandenburgs überzeugen mit Bestnoten in der Wasserqualität. Das Gesundheitsministerium bewertete nahezu alle Badegewässer als ausgezeichnet.

Quellen:

Mathias Gläser