7. Naturentwicklungsgebiete im Wald

In Naturentwicklungsgebieten soll der Wald sich selbst überlassen werden, damit sich auf diesen Flächen über Generationen hinweg ein natürlicher Wald ohne menschlichen Einfluss entwickeln kann. In einer Antwort auf eine kleine Anfrage hat die Landesregierung 2011 erklärt, dass 1,06 Prozent der Waldfläche als Naturentwicklungsgebiete ausgewiesen sind. Das Maßnahmepaket der Landesregierung zur biologischen Vielfalt sieht vor, den Anteil mit natürlicher Waldentwicklung auf 5 Prozent der Gesamtwaldfläche zu erhöhen, die Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung fordert wegen der Vorbildwirkung 10 Prozent der Waldflächen in öffentlichem Eigentum.

Unterstützen Sie die Forderung, dass Naturentwicklungsgebiete im Wald ausgewiesen werden und dafür auch der Landesforstbetrieb weitere Flächen zur Verfügung stellt?

SPD: Wald hat eine besondere Bedeutung für den Erhalt der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts. In Brandenburg liegen auf über 60 Prozent der Waldfläche verschiedene Schutzfunktionen. Die Landesregierung beabsichtigt, fünf Prozent des gesamten Waldbestandes aus der Nutzung zu nehmen. Dies unterstützen wir. Bisher wurden bereits 4,1 Prozent umgesetzt. Derzeit besteht noch keine auf die Waldtypen bzw. Ausweitung der Kernzonen eingehende konkrete Planung.

Die gesellschaftlichen Anforderungen an den Schutz und die Nutzung des Waldes haben sich stark gewandelt. Die SPD unterstützt daher ausdrücklich die naturnahe Bewirtschaftung der Wälder, den Waldumbau zu einem standortgerechten, durch Arten- und Strukturvielfalt geprägten Bestand und die Einhaltung nationaler und internationaler Beschlüsse zum Schutz der Wälder. Die SPD setzt sich dafür ein, dass das Landeswaldeigentum in vollem Umfang erhalten bleibt. Für uns gilt, aus der derzeitigen Entwicklung in den Totalreservaten Lehren zu ziehen für eine Forstwirtschaft, die neben Holzproduktion auch eine möglichst hohe Artendiversität ermöglicht, und zu ermitteln, welche Baumarten an den verschiedenen Standorten in Brandenburg Zukunft haben werden.

DIE LINKE: Nach Auskunft der Landesregierung sind aktuell 4,1 % der brandenburgischen Waldfläche einer natürlichen Entwicklung überlassen (Landtagsdrucksache 5/9172). DIE LINKE unterstützt das Ziel, Wildnisentwicklung auf 5 % der Waldfläche zuzulassen und verbindlich abzusichern. Im Maßnahmeprogramm Biologische Vielfalt Brandenburg ist festgelegt, dass nach den anstehenden Flächenübertragungen im Rahmen des „Nationalen Naturerbes“ der weitere Bedarf an Wildnisflächen überprüft wird. Wir befürworten eine Einbeziehung von Landeswaldflächen, soweit dies zur Zielerreichung erforderlich ist. Der Landesforstbetrieb kommt damit seiner Vorbildfunktion nach. Im Privatwald können Wildnisgebiete nur nach dem Prinzip der Freiwilligkeit ausgewiesen werden.

CDU: Die Bundesregierung hat im Jahr 2007 die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) verabschiedet. Darin wird das Ziel formuliert, dass bis 2020 auf einem Anteil von 5 Prozent der deutschen Waldfläche eine natürliche Waldentwicklung stattfinden soll. Mittlerweile hat auch die Landesregierung Brandenburg ein Maßnahmenprogramm Biologische Vielfalt zur Umsetzung der NBS erarbeitet.

Die CDU Brandenburg spricht sich gegen die Forderung nach natürlicher Waldentwicklung auf 10 Prozent Waldfläche, insbesondere im Landeswald, aus und lehnt die weitere Herausnahme von Forstflächen aus der Bewirtschaftung im Landeswald ab. Der Landesbetrieb Forst leistet bereits jetzt einen aktiven Beitrag zum Natur- und Umweltschutz. Die forstliche Bewirtschaftung des Waldes durch den Landesbetrieb Forst erfolgt nach den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Forstwirtschaft. Sie ist nachhaltig, sachgemäß und gewährleistet die Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen des Waldes. Das gilt auch für den Landeswald in Schutzgebieten, der weiterhin durch den Landesbetrieb Forst bewirtschaftet und genutzt werden sollte.

Bereits heute liegen nach Auskunft des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg auf über 60 Prozent der Waldfläche im Land Brandenburg verschiedene Schutzfunktionen und mehr als ein Drittel sind nach PEFC- bzw. FSC-Standards zertifiziert. Für 30 Prozent der Waldfläche in Brandenburg ist bereits derzeit eine naturschutzorientierte eingeschränkte Bewirtschaftung vorgesehen. Schon jetzt unterliegen etwas mehr als 4 Prozent der Waldfläche in unserem Bundesland der natürlichen Waldentwicklung ohne Nutzung oder Bewirtschaftung. In Zukunft wird es unserer Auffassung nach zu weiteren Bewirtschaftungs- und Nutzungseinschränkungen im Landeswald kommen, denn die rot-rote Landesregierung hat ein Moorschutzprogramm für das Land Brandenburg erarbeitet. Hierbei sollen auch Moorschutzprojekte im Landeswald umgesetzt werden. In der Debatte hat sich die CDU nicht grundsätzlich gegen den Moorschutz ausgesprochen, sondern stets darauf hingewiesen, dass die Umsetzung von einzelnen Maßnahmen und Projekten nach dem Freiwilligkeitsprinzip erfolgen muss.

Bündnis 90 / Die Grünen : Unterstützen Sie die Forderung, dass Naturentwicklungsgebiete im Wald ausgewiesen werden und dafür auch der Landesforstbetrieb weitere Flächen zur Verfügung stellt?
Ja, wir stehen zu den genannten Zielen und wollen diese umsetzen.